Schluss mit der Geheimhaltung in Sachen Pestizide!

natur&ëmwelt und Greenpeace fordern Veröffentlichung von Pestizidverbrauchszahlen


Luxemburg, 19. September 2016 - Nachdem natur&ëmwelt a.s.b.l. und Greenpeace bereits Mitte Juli die Intransparenz des Landwirtschaftsministeriums in Sachen Pestizidverbrauchszahlen kritisiert hatten, fordern nun beide Organisationen auf juristischem Wege die Veröffentlichung dieser Informationen ein. Ein entsprechendes Schreiben wurde vor wenigen Tagen über einen Anwalt der beiden NGOs an Landwirtschaftsminister Fernand Etgen geschickt. Ein weiteres Schreiben wurde an Gesundheitsministerin Lydia Mutsch adressiert. Darin fordern beide Organisationen die Veröffentlichung der detaillierten Resultate der Pestizidanalysen von Lebensmitteln, die alljährlich vom Gesundheitsministerium durchgeführt werden.

Bereits 2014 hatten natur&ëmwelt in ihrem Gutachten zum ersten Entwurf des Pestizidaktionsplans die Veröffentlichung der luxemburgischen Pestizidverbrauchszahlen gefordert. Zwei Jahre später, während des öffentlichen Konsultationsverfahren zum zweiten Entwurf des Aktionsplans, waren immer noch keine Angaben über die in Luxemburg eingesetzten Wirkstoffe und deren Verbrauchszahlen bekannt. Selbst die Daten, die Luxemburg an das statistische Amt der EU Eurostat übermittelt hat, sind nicht aktuell: für viele Kategorien von Pflanzenschutzmitteln liegen lediglich Gesamtzahlen bis zu den Jahren 2012/ 2013 vor.

Die Geheimhaltungspolitik von Minister Fernand Etgen ist für natur&ëmwelt und Greenpeace inakzeptabel. Denn zum einen stehen rund 40% der 241 Wirkstoffe, die in Luxemburg genehmigt sind, auf sogenannten „Schwarzen Listen" (1). Zum anderen ist die Kenntnis der Pestizidverbrauchszahlen grundlegend erforderlich, um die Wirksamkeit des Pestizidaktionsplans auch von unabhängiger Seite bewerten zu können.

Der zweite Entwurf des Nationalen Aktionsplans Pestizide dokumentiert, in welch besorgniserregendem Umfang die Gewässer und die Artenvielfalt in Luxemburg durch den Einsatz von Pestiziden belastet werden (2). Auch in Lebensmitteln, die in Luxemburg angebaut werden, lassen sich Pestizidrückstände nachweisen (3).

natur&ëmwelt und Greenpeace verlangen Verbote für besonders gefährliche Pestizide und ein generelles Pestizidverbot im Privatbereich. Damit der Einsatz der Pestizide in der Landwirtschaft effektiv verringert werden kann, führt für beide Organisationen kein Weg daran vorbei, eine Strategie mit konkreten Zielen, Zahlen, Zeitplänen und Maßnahmen auszuarbeiten. Dies gilt auch für das beim Menschen als möglicherweise krebserregend geltende Herbizid Glyphosat, dessen europaweite Verwendung Ende Juni erneut um bis zu 18 Monate verlängert wurde.

Pestizide im Trinkwasser und in Lebensmitteln, das Bienensterben und der dramatische Verlust der Biodiversität in Luxemburg sind Aspekte derselben Gesamtproblematik, nämlich einer intensiven Landwirtschaft, wie sie auch hierzulande betrieben wird. Wenn die Regierung es ernst meint und einen effektiven Nationalen Aktionsplan Pestizide vorlegen will, muss sie auch den längst überfälligen Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft einleiten. Dazu gehört, dass prioritär der biologische Landbau, der ohne synthetische Spritzmittel auskommt, gefördert werden muss.

 

(1) PAN International List of Highly Hazardous Pesticides, Pesticide Action Network International, 2011; EU Pesticide Blacklist, Greenpeace, 2016

(2) Nicht nur das Trinkwasser des Stausees ist durch Verunreinigungen mit Pestiziden belastet. Ein Untersuchungsprogramm kommt zu dem Schluss, dass in Luxemburg im Jahr 2012 55% des untersuchten Trinkwassers resp. der Trinkwasserquellen mit Pestizidrückständen verunreinigt waren (Zones de protection autour du captage d'eau souterraine destinée à la consommation humaine, Conseil supérieur pour la protection de la nature et des ressources naturelles, 2013)

Der Pestizideinsatz ist ebenfall mitverantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt in Luxemburg: neben den Zielorganismen werden auch Nützlinge reduziert und der Einsatz von Herbiziden auf Grünland und Äckern drängt die Beikrautarten sehr stark zurück. Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist in der Agrarlandschaft besonders ausgeprägt. In den letzten 30 Jahren hat die Biodiversität in Luxemburg in einem besorgniserregenden Maße abgenommen. 27% der Gefäßpflanzen, 54,8% der Säugetiere, 41,5% der Vögel, 33% der Reptilien, 61,5% der Amphibien und 62% der Fische in Luxemburg sind bedroht. Besonders hohe Verluste haben in diesem Zeitraum Feuchtgebiete (-80%), Trockenrasen (-34,9%) und Obstwiesen (-58,5%) erfahren.

(3) Campagne de contrôle des teneurs en résidus de pesticides dans les produits d'origine végétale (fruits, légumes, céréales, pots bébé) et produits d'origine animale (produits laitiers, viande de porc), Ministère de la Santé 2013

http://www.securite-alimentaire.public.lu/organisme/pcnp/sc/cs9_prod_phyto/ppp_residus_pesticides/Rapport-annuel-sur-les-campagnes-de-controle/index.html


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