Erhalt traditioneller Pflaumensorten in Wincrange

Durch ein vom Umweltministerium unterstütztes Projekt sowie durch das LEADER-Projekt „Uebstkultur" konnte natur&ëmwelt Fondation Hëllef fir d'Natur in den letzten Jahren kontinuierlich an der Erfassung von in Luxemburg und in der Gemeinde Wintger vorkommenden traditionellen Pflaumensorten arbeiten.

 

 

Karte: Standort des Pflaumensortenbongerts in der Emeschbaach.

Copyright: Administration du Cadastre et de la Topograhie.

 

Der Pflaumenbongert Emeschbaach wird zwischen den Baumreihen ackerbaulich genutzt.

 


Die früheste und häufigste Pflaume im Ösling ist die „Karschnatzpromm".


Die Gemeinde Wintger entpuppte sich dabei als eine der interessantesten Pflaumenregionen Luxemburgs. Es gibt eine überraschende und bemerkenswerte Vielfalt an Pflaumensorten. Diese Diversität macht deutlich, dass die Kultur der Pflaumen früher eine bedeutende Rolle bei der Selbstversorgung der Bevölkerung spielte. Sie lieferten die Grundlagen für Mus, Einmachobst, Dörrfrüchte, Brand und natürlich für den Frischverzehr. Von den etwa 20 für das Gemeindegebiet typischen Pflaumensorten sind über zwei Drittel als Seltenheiten anzusehen, die es nur in der Gemeinde oder im Ösling gibt und darüber hinaus unbekannt sind.

Eine weitere Besonderheit der Pflaumenkultur in der Gemeinde ist die „Wurzelechtheit" der Sorten. Das bedeutet, dass viele der hier traditionellen Pflaumensorten Wurzelausläufer bilden, die genetisch mit der Mutterpflanze identisch sind. Die Kultivierung der Sorten erfolgte nicht durch Veredlung auf eine Wurzelunterlage, wie es heute üblich ist, sondern durch Ausgraben und Verpflanzen dieser Wurzelschösslinge. Das hat den Vorteil, dass dazu keine Veredlungskenntnisse notwendig sind, die Sorten also von jedermann „über den Gartenzaun" weitergegeben werden können. Außerdem sind wurzelechte Pflaumensorten langlebiger als veredelte Sorten, da sie selbst nach Rodung des Mutterbaumes durch ihre Wurzelschosser weiterleben. Bei einem veredelten Baum ist mit dessen Absterben auch die Sorte verschwunden.

Um die traditionellen und regionaltypischen Pflaumensorten zu erhalten, werden sie im Auftrag von natur&ëmwelt Fondation Hëllef fir d'Natur in einer Baumschule vermehrt und anschließend in eigens dafür eingerichtete Sortengärten ausgepflanzt. Einer dieser Sortengärten befindet sich nun in der Emeschbaach. Er wurde im November 2014 begonnen und im Januar 2016 vervollständigt. Angepflanzt wurden 112 Bäumen mit 56 Sorten, ein Großteil davon aus der Gemeinde Wincrange.

 

 

Wichtiger Akteur für den Unterhalt der Sortengärten ist CNDS Naturaarbechten, hier beim Sommerschnitt.

 

Ziel dieses Gartens ist nicht nur die Archivierung der traditionellen Pflaumensortenvielfalt. Der Zugriff auf Vermehrungsmaterial sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit sind weitere wichtige Anliegen. Der Pflaumensortengarten integriert sich in das Gesamtkonzept der Flächen von natur&ëmwelt Fondation Hëllef fir d'Natur in der Emeschbaach, das eine biologische Bewirtschaftung der Agrarflächen und die Schaffung von ökologischen Landschaftselementen verfolgt.

 

Richard Dahlem, natur&ëmwelt Fondation Hëllef fir d'Natur

 

Weitere Infos:

- www.bongert.lu

- Download Broschüre „Uebstkultur: Das Ösling – überraschend vielfältig"

 


Bisher nur in Lullange gefunden: Die großfrüchtige „Lullanger Eierpflaume".

 


Häufig, aber namentlich unbekannt – eine rote Pflaume mit dem Arbeitsnamen „Ardenner Rotpunktierte".

 


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